Willkommen
Hitzdorf
Bewohner
Einwohner Dorf A-M
Einwohner Dorf N-Z
Einwohner Abbauten
Einw.1 Heimatkreis
Einw.2 Heimatkreis
Einw.3 Heimatkreis
Fotos
Schule
Video "Flucht"
Berichte "früher"
Ostdeutsche Zeitung
Erdmann - Hitzdorf
Erdmann - Lehre
Jugendzeit in Hitzd.
Jugendstreiche
Helmut,Hannes,Partei
Noch mehr aus Hitzd.
Ber. Schulz bis 45
Bericht Schulz ab 45
Flucht Otto Meyer
Verschleppung Hannes
Fotoalbum Ferner
Landw.schule
Mein Heimatdorf
Reisetagebuch Haack
Berichte von "heute"
Verluste
Familie Meyer
Fam. Helmut Meyer
Hitzdorfer Familien
Hitzdorfer Fam. A-E
Hitzdorfer Fam. F-G
Hitzdorfer Fam. H-K
Hitzdorfer Fam. L-M
Hitzdorfer Fam. N-R
Hitzdorfer Fam. S
Hitzdorfer Fam. T-Z
Ortsteil Kleeberg
Besuche in Hitzdorf
Reisegruppe Anklam
Wiedersehen/Treffen
Infos Hitzdorf
Kr. Arnswalde
Weitere Orte
Gästebuch
Hilfe! Wer kennt ...
Kontakt/Impressum
Inhalt

 

Meine Lehrzeit in Arnswalde

von Willi Erdmann (früher Hitzdorf)

 

Am 1.4.1929 begann meine Lehrzeit bei Fleischermeister Martin Tetzlaff in Arnswalde, Klosterstr.5.

 

 

  Arnswalde Klosterstraße

 

Zu dieser Zeit beschäftigte mein Meister : 1 Meister, 2 Gesellen, 2 Lehrlinge und einen Kutscher, der die vier Pferde besorgen musste. Bald aber wurde ein Viehtransporter (LKW) angeschafft, und drei Pferde wurden verkauft. Der Kutscher, Georg Jordan, machte den Führerschein. Mit dem Pferd fuhren wir jeden Morgen und Abend Fleisch und Wurst zum Geschäft in der Steintorstraße.

 

 

Arnswalde Steintorstraße

 

Unsere Schlafstelle war in der Klosterstraße 5 auf dem Dachboden mit fünf Mann. Der Schrank für Kleider war voll; ein Glück, dass nur jeder einen Anzug hatte. Das Wasser zum Waschen wurde in Kannen hochgetragen und im Winter war es öfter mit Eis bedeckt. 5.30 Uhr war Wecken und der jüngste Stift musste den Kessel anheizen. Für uns Lehrlinge begann der Tag mit dem Einpacken von Fleisch und Wurst in Mulden. Denn schon vor 8 Uhr musste alles im Laden sein.

Nachdem Fleischermeister Röhl in der Mühlenstraße verstorben war, übernahm mein Meister auch noch diesen Laden. Da die Läden von 8 bis 19 Uhr geöffnet waren, ging unsere Arbeitszeit bis rund 20 Uhr. Wenn Donnerstagabend noch zwei Eimer Zwiebeln abzupellen waren, wurde es oft 22 Uhr, je nach Größe der Zwiebeln. Von Mittagspause war nicht viel drin. Auch sonntags war der Laden bis 10 Uhr geöffnet. Dann kamen die Landarbeiter und Schnitter von den Dörfern und Gütern einkaufen.

Zu damaliger Zeit schlachteten wir in der Woche 20 Schweine, 2-3 Rinder, 3 Kälber und in der Gemüsezeit 2 Schafe. Wenn es nicht langte, wurden sonnabends noch Schweine geschlachtet, damit am Montag wieder Fleisch im Laden war. Tierarzt Dr. Gebhardt und Uhrmachermeister Hugo Brandenburg kamen dann zur Fleisch- und Trichinenschau, die ich des Öfteren bestellen musste. Donnerstag war großer Schlachttag und Freitag Kochwursttag. Oft schaffte es der Viehtransporter nicht, dann musste das Pferd aushelfen. Denn der Meister handelte noch mit Vieh und verlud jede Woche 2-3 Waggon Schlachtvieh nach Berlin. Wehe, wenn ein Anruf kam und die Preise gefallen waren. Dann schimpfte mein Meister am Telefon.

 

 

Dorfstraße in Hohenwalde

 

 

Während meiner Lehrzeit waren wir auch auf dem Sängerfest in Hohenwalde und haben dort mehr als sieben Zentner Würstchen verkauft. In dieser Zeit kam das Lied “Oh Donna Klara“ auf. Nach dieser Melodie wurde viel getanzt und im Schützenhaus bei Herrmann und in Schimmings Festsälen war einiges los.

Auch wurde einmal in unserem Schlachthaus eingebrochen. Der Dieb kam über das Dach, wurde gestört und ergriff die Flucht. Auch der Frau Meisterin, Meta Tetzlaff, geb. Kornmesser, wurde in der Mühlenstraße die Handtasche entwendet. Glücklicherweise war sie leer, denn der Meister hatte das Geld schon abgeholt. Nun musste ich im Winter jeden Abend die Chefin abholen. Der Räuber flüchtete zwar, wurde aber gefasst.

Im Sommer fuhr ich Sonntagmittag mit dem Fahrrad über Neu-Klücken, Raakow-Schweiz, Mühle Robert Raatz, den Landweg entlang nach Hitzdorf und abends wieder zurück. Oft war ich ängstlich, da man hier im Getreidefeld eine tote Frau aus Berlin gefunden hatte.

Im Mai 1978 war ich mit meiner Frau und Enkelkindern mit dem Auto zu Besuch in der Heimat. Wir fuhren diesen Weg und waren erschrocken über den schlechten Zustand der Straße.

Am 7.März 1932 machte ich mit Heinz Trol von Fleischermeister Fritz Grunow bei Fleischermeister Heinrich Nagel meine Gesellenprüfung. In der selben Woche hatte die Fleischerinnung ihre Feier in Dietrich´s Weinstuben, Am Markt 18. Hier konnten wir unser Wanderbuch entgegen nehmen. Dieses Wanderbuch habe ich heute noch. Obermeister war damals Herr Paul.

 

 

Wochenmarkt auf dem Marktplatz in Arnswalde

 

 

Wie andere Fleischer hatten wir auch einen Stand auf dem Markt an der Kirche. An einem Wintertag ließ Martin Tetzlaff folgende Anzeige in die Zeitung setzen:

“Liebe Hausfrau sei gescheit, kauf bei Martin Tetzlaff ein. Seine Ware ist gut und süß, auf dem Markt bekommst du kalte Füß.“

An diesem Tag schneite und regnete es, so dass niemand zum Markt ging. Den Spruch hatte Bruno Kirstein entworfen.

Oft denke ich noch an das Kino (Filmeck), an den ersten Tonfilm “Die Drei von der Tankstelle“, an Sissy Günther mit seinem schweren und schnellen Motorrad, an Karl Türk, der im Sommer 1932  25mal rund um den Klückensee gelaufen ist, und an die Umzüge von Reichsbanner und SA, die nahezu friedlich verliefen.

 

Am 1.Mai 1932 übernahm Fleischermeister Erich Stellmacher, der viele Jahre bei Martin Tetzlaff beschäftigt war, das Geschäft von Fleischermeister Paul Marten in der Marktstraße.

 

 

  Arnswalde Marktstraße

 

 

Am 9.Mai trat ich bei E. Stellmacher ein. Hier schlachteten wir in der Woche rund 7 Schweine, 1 Rind und 1 Kalb. Öfter wurde noch bei Fleischermeister Max Röseler ein Rind halbe/halbe dazu geschlachtet. Sonnabends fuhr der Meister mit Fleisch und Wurst nach Schlagenthin und verkaufte es dort in der Gastwirtschaft an die Einwohner.

Hier war ich nun allein und musste als Geselle alle Arbeiten ausführen. Mein Wochenlohn bei freier Station betrug 10 RM.

So entschied ich mich zum 1.4.1933 nach Fürstenwalde zur Reichswehr zu gehen.

Heute, finde ich, haben es die Lehrlinge besser, leichter und schöner.

Aber: auf jeden Fall habe ich eine gute Lehrzeit gehabt.

 

 

Arnswalde auf dem Hof von Fleischermeister Martin Tetzlaff, 18.05.1930

v.l.: Willi Dallmann, Rietzig, Ewald Seidler, Martin Tetzlaff, Wohlfahrt/Hohenwalde, Willi Erdmann,

Erich Werth, Karl Tiehlke, Erich Stellmacher,

vorn der Lehrling und Bildeinsender Heinz Entling(jetzt Nürnberg)

 

 

Fleischerei Fritz Grunow, links Heinz Trol

 

 

Top